Belgien ist bekannt für die Brieftaubenzucht, doch auch einige Rassetauben hat das Land hervorgebracht. Eine besonders eindrucksvolle Erscheinung ist der Genter Kröpfer. Breitere Bekanntheit erlangte diese Rasse allerdings erst nach den 1960er- und 1970er-Jahren.

Flämischer Ursprung

Herkunft dieser aparten Taubenrasse ist, wie der Name schon vermuten lässt, die flämische Region Belgiens bzw. genauer die Stadt Gent. Bekannt ist die Rasse wohl seit dem 16. Jahrhundert. Früher waren Bezeichnungen in Anlehnung an das Flugbild wie „slager“ (Flügelklatscher) und „zwalper“ geläufig.

1892 wurden erstmals Richtlinien über das Aussehen veröffentlicht. 1895 folgte die erste Standardbeschreibung, welche in den folgenden Jahren bzw. Jahrzehnten noch Überarbeitungen erfahren hatte.

Genter Kröpfer blau mit schwarzen Binden
Genter Kröpfer, 0,1 blau mit schwarzen Binden

Geganselt oder Dominikaner?

Besonders bekannt sind die Genter Kröpfer für ihre Dominikaner Zeichnung, welche die belgische Bezeichnung für die geganselte Variante ist. Die Bezeichnung rührt von der Erscheinung der Mönchskutte der Dominikanermönche. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts trug diese Variante in der Heimat die Bezeichnung „preekheer“ welche sich ebenfalls auf das Gewand der Mönche bezieht, welche in Gent niedergelassen waren.

Die Dominikaner standen schon immer vor allem in Deutschland im Fokus. Dabei handelt es sich also um geganselte Genter Kröpfer – jedoch mit Besonderheiten in der Ganselzeichnung: Der Oberkropf ist weiß und die Begrenzungslinie soll hinter dem Kopf in einem gleichmäßigen Bogen zur Mitte des Kropfes verlaufen. Farbig sind Hinterhals, die Brustpartie, das kleine Flügelherz und die Schwanzfedern samt Decke.

Genter Kröpfer schwarzgeganselt
Genter Kröpfer, 1,0 schwarzgeganselt

Nicht nur Dominikaner

Neben den Dominikanern, die in Schwarz, Blau, Rot, Gelb und Blaufahl anerkannt sind, gibt es Einfarbigen in Schwarz, Blau mit schwarzen Binden, Blaugehämmert, Rot, Gelb, Blau-, Rot- und Gelbfahl und Weiß, wobei Letztere von den Zuchtzahlen her dominieren. Daneben finden sich auch die Geherzten, in ihrer Heimat als „witlappen“ (Weißlätze) bezeichnet, sowie Gescheckte und Getigerte. Besonders apart sind auch die „verhemelstaart“, welche eine farbschwänzige Variante darstellen. Zusätzlich zum blauen, aber nicht vollständig durchgefärbten Schwanz besitzen sie einige Farbeinlagerungen im Kopfgefieder. Diese Variante sieht erst einmal schlicht aus, jedoch zeigt sich im Flug, wenn der Schwanz gespreizt ist, die eigenartige Zeichnung.

So findet sich für nahezu jeden Geschmack der passende Farbenschlag.

Genter Kröpfer blauschwänzig
Genter Kröpfer, 0,1 blauschwänzig

Imposante Figur

Gefragt ist eine typische breite und wuchtige Figur. Der Genter Kröpfer zeigt eine waagrechte Haltung mit kurzer, hohlrunder Hals- und Rückenlinie. Die Flügel liegen gut, aber nicht straff auf.

Die Vorderpartie wird aufgerichtet getragen, wobei der Übergang von Brustpartie zum Blaswerk ohne Unterbrechung in die Brust übergeht, sodass eine volle, durchgehende Unterlinie zu sehen ist. Der geblasene Kropf kommt also voll und breit aus der Brust und den Schultern heraus. Die breiteste Ausdehnung des Kropfes findet sich mittig.

Der Abschluss des Genters ist ein breiter und kurzer Schwanz. Sie sollen lange Läufe zeigen, die dicht befiedert sind und starke Geierfedern aufweisen. Die Latschen sollen zwar dicht, aber nicht zu lang sein.

Genter Kröpfer weiß
Genter Kröpfer, 0,1 weiß

Haltung und Zucht

Diese Rasse benötigt ausreichend  Platz – alles muss in XXL-Fomat sein. Die Nistzellen sollten genügend Platz für die Paarung bieten und auch Nistschalen sollten an die Größe angepasst sein. Bei einigen Züchtern bewähren sich Obstkisten oder auch Nistrahmen. Tief eingestreut verhindert zudem das Zerdrücken der Eier.

Genter Kröpfer sind zuverlässig in Brut und Aufzucht, was natürlich für den Züchter ein besonders schönes Erlebnis ist. Zusätzlich sind sie zutraulich im Wesen, können aber temperamentvoll sich im Schlag zeigen. Einmal auf den Genter gekommen, kommt man schwer wieder von ihnen weg.

Wer sich dem Sonderverein anschließen will, findet mit dem Sonderverein der Züchter der Genter Kröpfer von 1987 einen zwar kleinen, aber engagierten Züchterkreis.

Text: Kutsche: Fotos: de Koster, Hellmann, Proll