Vorwerkhühner – Von der Idee zur etablierten Rasse
Mittlerweile reiht sich das Vorwerkhuhn problemlos in den großen Reigen der Rassehühner ein. Einst hat Oscar Vorwerk eine genaue Idee gehabt eine neue Rasse zu züchten. Dies ist ihm vollkommen gelungen.
Die Idee hinter dem Vorwerkhuhn
Die Hamburger Industrieluft ließ das Mantelgefieder der Lakenfelder alles anderer als weiß erscheinen. Die rußige Industrieluft ließ das weiße Gefieder grau und unansehnlich erscheinen. Daher fasste der Kaufmann Oscar Vorwerk den Plan, das Zeichnungsbild der Lakenfelder auf ein Huhn mit goldgelber Grundfarbe zu übertragen. In seinem Geflügelhof begann 1902 die Zuchtarbeit. Laut seinen Angaben wurden neben den Lakenfeldern, gelbe Ramelsloher und weniger vollrumpfigen Orpington verwendet. Später wurden noch Andalusier hinzugezogen. Mit einer beträchtlichen jährlichen Nachzucht wurde das Zuchtziel 1910 erreicht und 1912 wurde die neue Rasse erstmals präsentiert.

Fast verschwunden – und doch gerettet
Zwar verschenkte Oscar Vorwerk die neue Rasse an Züchtern in ganz Deutschland, jedoch machte der erste Weltkrieg eine weitere Verbreitung schwer, auch wenn due Rasse schnell zur Anerkennung gebracht wurde und sie auf zahlreichen Schauen gezeigt wurden. Die Musterbeschreibung von 1919 hat übrigens bis auf wenige Änderungen bis heute Gültigkeit. Der Sonderverein gründete sich 1926. Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Vorwerkhühner kurz vor dem Verschwinden. Lediglich bei Karl Schmitt in Großbreitenbach im Thüringer Wald war noch eine Zuchtgruppe vorhanden. Mithilfe gezielter Einkreuzungen begann Ende der 1940er Jahre sowohl in Ost- also auch in Westdeutschland der Wiederaufbau der Vorwerkzucht.
Der 1933 verstorbene Oscar Vorwerk konnte leider nicht mehr den Aufstieg und die Verbreitung auch außerhalb Deutschlands seiner Rasse verfolgen.
Vorwerkhühner sind Landhühner
Grundidee war ein wüchsiges und produktives Huhn im Zwiehuhncharakter. Dementsprechend sind die Vorwerkhühner kräftige, mittelgroße Landhühner mit breiter und tiefer, abgerundeter Rechteckform.
Der mittelgroße Kropf trägt einen gleichmäßig gezackten Einfachkamm. 4–6 Zacken sind gewünscht. Die Ohrscheiben sind weiß, die Augen orangegelb bis -rot. Der Schnabel ist blaugrau bis hornfarbig. Der Kopf geht in einen Hals mit vollem Behang über. Der Rücken ist breit und eine korrekte Rückenlänge ist für die Gesamterscheinung und Größe essenziell. Eine tiefe, breite, vorgewölbte und gut gerundete Brust trägt wesentlich zur typischen Erscheinung bei.
Die Schenkel sind kräftig, die Läufe schieferblau. Das Gefieder ist fest anliegend auch an den Schenkeln.
Der Schwanz sollte nicht so lang wie beim Italiener sein. Dieser wird mäßig geschlossen getragen mit gut gebogenen, mittellangen, nicht zu schmalen Haupt- und Nebensicheln.


Goldgelb mit schwarzer Zeichnung
Oscar Vorwerk wollte Tiere mit goldgelber Grundfarbe züchten und so soll sie auch sein. Gewünscht wird weder rotbraunes noch strohgelbes, lehmfarbenes oder fleckiges Mantelgefieder. Insbesondere Hennen, die auch noch nach mehreren Jahren ein gleichmäßiges fleckenfreies Mantelgefieder zeigen sind züchterisch wertvoll. Das bedeutet jedoch auch, dass in der Zucht auch mit Alttieren gearbeitet werden muss, um gute Zuchttiere selektieren zu können.
Die Grundfarbe kommt insbesondere durch die im Standard geforderte schwarze Hals- und Schwanzfarbe zur Geltung. Beim Hahn ist im Schwanz in den unteren Nebensicheln eine goldgelbe Säumung gestattet. Der Sattelbehang sollte tiefgoldgelb sein und feine schwarze Schaftstriche aufweisen. Die Außenfahne der Schwingen sind ebenfalls tiefgoldgelb bei einer schwarzen bis schwarzgrauen Innenfahne. Ebenso verhält sich die Zeichnung der Henne. Das Untergefieder ist grau. Ist dieses zu dunkel, kann es durchschimmern.
Ein Sonderverein erhält die Rasse
Wer Interesse an den Vorwerkhühnern hat, findet im Sonderverein zur Zucht und Erhaltung der Vorwerk- & Zwerg-Vorwerkhühner einen kompetenten Ansprechpartner.
Text: Kutsche; Fotos: Backert, Schellschmidt