Bereits seit über 2000 Jahren ist diese schwere Gänserasse bekannt und ihr Ursprung spiegelt sich bereits im Namen wider.

Geschichte der Emdener Gans

Die Emdener Gänse wurden in Ostfriesland, rund um die Stadt Emden, aus einheimischen Gänsen gezüchtet, um Fleisch und Federn zu gewinnen. Die guten Weiden sowie das raue norddeutsche Klima Begünstigte die Entwicklung einer schweren, widerstandsfähigen Gans. Große Sturmfluten reduzierten die Gänsepopulation mehrfach, doch eine Zuchtbasis blieb stets erhalten.

Dank ihrer hervorragenden Eigenschaften wurden Emdener Gänse auch exportiert – unter anderem nach Böhmen, Ungarn, Amerika (1882) und Großbritannien (1865). In England wurde der Typ teilweise durch Einkreuzung von Toulouser Gänsen verändert, was zu Gewichtszunahme und leichten Typabweichungen führte. Einige dieser Veränderungen, wie doppelte Bauchwamme, Brustkiel oder lockeres Gefieder, wurden nicht als Verbesserung der Nutzeigenschaften angesehen. Trotz dieser Kritik fanden die englischen Zuchtrichtungen auf deutschen Ausstellungen zweitweise Anklang.

Besinnung auf die „Schwanengans“

Aus den verbliebenen alten Emdener Schlägen und der englischen Zuchtrichtung wurde der ursprüngliche Typ wieder herausgezüchtet. So entstand erneut die elegante Emdener Gans, die früher wegen ihres langen, geschwungenen Halses als „Schwanengans“ bezeichnet wurde, nun jedoch schwerer und vollfleischiger ist.

Rassemerkmale

Zuchtziel ist eine große, schwere Gans mit langem Hals, breitem Körper und doppelter Bauchwamme. Laut Standard wiegt der Ganter 11-12 kg, die Gans 10-11 kg. Trotz des hohen Körpergewichts soll für die Rasse typische Eleganz erhalten bleiben.

Der lange, schwanenartig getragene Hals trägt einen schlanken, leicht gebogenen Kopf mit wenig Backen. Stirn und Schnabel gehen harmonisch ineinander über; der Schnabel ist orange mit einer zart fleischfarbenen Schnabelbohne. Das Auge ist hellblau mit einem feinen roten Ring.

Die Bauchwamme ist gut ausgebildet, darf jedoch den Boden nicht berühren.

Rücken, Brust, Flügel und Schwanz sollen die Eleganz der Gans unterstreichen, während die kräftigen, orangeroten Läufe den schweren Körper tragen. Die Stellung ist mittelhoch, die Schenkel kräftig, mittellang und mit eng anliegendem Gefieder. Die Zehen sind gut gespreizt, die Nägel weiß.

Anerkannt ist nur der weiße Farbenschlag. Das Gefieder soll straff anliegen. Graue Federn gelten als Fehler, insbesondere bei älteren Gänsen.

Emdener-Gans_Paar

Haltung und Zucht

Emdener Gänse haben nach wie vor gute Masteigenschaften. Die Jungtiere wachsen schnell, benötigen aber ein nährstoffreiches Futter. Weidehaltung ist vorteilhaft, Beifütterung notwendig. Die Legeleistung variiert stark. Laut Standard beträgt die Mindestleistung 50 weiße Eier mit einem Gewicht von jeweils 170 g.

Die Zuchtzahlen sind leider rückläufig: Nach Angaben des BDRG sank die Zahl der Zuchten von 122 im Jahr 2019 auf 87 im Jahr 2024, was einem durchschnittlichen Rückgang von etwa 7,5 % pro Jahr entspricht.

Wer Interesse an dieser alten, gefährdeten Gänserasse hat, findet beim SV der Deutschen Gänsezüchter von 1907 den passenden Ansprechpartner.

Text: Kutsche; Fotos: GZ-Archiv; Wolters