Warzenente – die faszinierende Ente der vielen Namen
Unsere Warzenente geht als einzige unserer Rasseenten auf die Moschusente (Cairina moschata) zurück, welche wir in einem eigenen Beitrag (Moschusente: Die Wildform der Warzenente im Porträt) ausführlich porträtiert haben. Sie trägt jedoch viele weitere Namen, welche ein Stück weit ihre Domestikationsgeschichte verraten
Ursprung der Domestikation
Hauptdomestikationsort war vermutlich Peru, wo sie bereits in präkolumbianischer Zeit gezähmt und gehalten wurde. Vermutlich brachten Spanier sie erstmals nach Europa, von wo aus sie wiederum durch spanische Händler nach Afrika und Asien gelangte. Im Jahr 1693 erreichte sie so Taiwan, das noch heute ein Zentrum der Zucht ist.
Die so nach Nordafrika gelangten Tiere wurden als „Berberische Ente“ bezeichnet und daher auch in Frankreich als „canard de Barbarie“ genannt. In Deutschland trifft man diesen Namen „Barbarie-Ente“ meist als Markenbezeichnung an.


Namensfindung
Zur Herkunft des Gattungsnamens Cairina gibt es unterschiedliche Deutungen. Häufig wird ein Bezug zu Kairo angenommen. Der Artname „moschata“ rührt wiederum von dem angeblichen moschusartigen Sekret aus den warzenartigen Gebilden am Schnabel.
Daneben finden sich Namen wie Türkenente, Bisamente, Stummente, Rothautente oder Flugente.
Warzenenten in der Rassegeflügelzucht
In der Rassegeflügelzucht wird sie letztendlich aufgrund der typischen, dunkelroten und mit Warzen besetzte Haut, die die Augen und die Nasenwurzel umgibt, als Warzenente bezeichnet. Allerdings hatte sie es anfangs nicht leicht. Auf den bäuerlichen Höfen wurde sie aufgrund des trockeneren Fleisches eher skeptisch gesehen. Doch schnell wurden ihre Vorzüge wie Körpergröße, gute Mästbarkeit, Fruchtbarkeit und leichte Aufzucht erkannt.
Um 1920 sah man sie erstmals auf den hiesigen Ausstellungen, doch erst auf Nachdruck des Sondervereins der Entenzüchter wurden sie 1937 in die Musterbeschreibung aufgenommen. Zunächst wurden die Farbenschläge Wildfarbig, Weiß und Gescheckt anerkannt, später folgten Blau und Blau-gescheckt (1964), Braun-gescheckt (1988), Braun-wildfarbig (1991) und Wildfarbig mit Latz (2005). Auch in Schwarz und Perlgrau sind sie einfarbig sowie als Schecke und Letztere auch als wildfarbige Variante anerkannt.


Rassemerkmale der Warzenente
Die Warzenente zeichnet sich durch einen langgestreckten, waagerecht getragenen und kräftigen Körperbau aus. Charakteristisch sind der breite Rücken, die gut gewölbte Brust sowie der kräftige Hals. Besonders auffällig ist der große Kopf mit den typischen unbefiederten Gesichtsbereichen und der Stirnwarze, die bei dem Erpel und bei der Ente vorhanden ist. Der Erpel ist jedoch bedeutend größer als die Ente und hat keine Schwanzlocke wie sie für Hausentenerpel typisch ist. Das Gefieder liegt straff am Körper an, während die langen Flügel und der breite, waagerecht getragene Schwanz das harmonische Erscheinungsbild abrunden.
Gewicht und Brut
Der Geschlechtsdimorphismus ist bei der Warzenenten insbesondere im Gewicht ausgeprägter als bei ihrer Stammform, der Moschusente. Im Standard werden die Erpel mit 5 kg, die Enten mit 3 kg angegeben. Ein solcher Gewichtsunterschied liegt bei den Hausenten nicht vor.
Warzenenten weisen ein sehr gutes Brut- und Aufzuchtverhalten auf. Die Ente legt meist zweimal im Jahr ein Gelege von rund 15 weißen Eiern, zum Teil mit leicht gelblichem Schimmer.
Die Aufzucht ist meist unproblematisch. Für die Haltung muss nicht zwingend ein Gewässer zum Schwimmen vorhanden sein, aber frisches Wasser und eine saubere Badegelegenheit sind Grundvoraussetzungen.
Wer übrigens auf das Quaken der Warzenenten wartet, kann lange warten. Denn anders als unsere Hausenten geben sie kein Quaken, sondern eher ein leises Zischen von sich.


Der Sonderverein der Entenzüchter betreut die Rasse
Egal ob Flugente, Stummente oder Warzenente – diese Entenrasse hinter den vielen Namen bleibt wegen ihres ruhigen Wesens sowie der einfachen Haltung ein absoluter Favorit für den heimischen Garten. Wer Interesse an dieser Rasse hat, findet im Sonderverein der Entenzüchter Deutschlands von 1895 e.V. einen guten Ansprechpartner.
Text: Kutsche; Fotos: Klein, Mertensotto, Wolters